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July 2020
5 Minuten

Mission Zukunftskompetenz

Wie führt man deutsche Familienunternehmen zur digitalen Souveränität?

Die Change Architekten von AYB sichern mit digitaler Souveränität die Zukunft von Familienunternehmen. (Fotos: About Your Business GmbH)

Ein Großteil der deutschen Wirtschaftsleistung wird von Familienunternehmen generiert. In Sachen digitaler Transformation hat der so wichtige Mittelstand immensen Nachholbedarf. Die Mittelstandsexperten Katrin Schwarz und Oliver Stiefenhofer setzen alles daran, dies zu ändern und haben sich die „Enkeltauglichkeit“ von Familienunternehmen zur Mission gemacht.

Im Interview mit den beiden Geschäftsführern der Düsseldorfer AYB | About Your Business GmbH geht es um Zukunftskompetenzen, die Bedeutung digitaler Souveränität und die zentralen Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Transformationsprojekten deutscher Familienunternehmen.

Wie enkeltauglich sind deutsche Familienunternehmen und welche Rolle spielt die digitale Souveränität?

In der Vergangenheit war souveränes Agieren ein Kennzeichen des Mittelstands. Im Kontext der Digitalisierung beobachten wir eine gewisse Orientierungslosigkeit. Es ist nicht eindeutig, was, wie mit wem und warum zu tun ist, um das Unternehmen erfolgreich an die nächste Generation weiterzugeben. Viele Unternehmen sind fremdbestimmt von Kunden, werden getrieben von Wettbewerbern. Die Souveränität, das proaktive Voranschreiten und der Mut, die Komfortzone zu verlassen, um Erfahrungen für Wachstum zu sammeln – das ist ein Stückweit verloren gegangen.

Digital souverän zu sein bedeutet auch, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst sowie offen für Kooperationen zu sein. Wer alles selbst macht, wird in diesem Fall nicht erfolgreich sein – dazu ist das Thema leider viel zu komplex.

Digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch der Menschen und der Organisation mit ihren jeweiligen Wechselwirkungen. Nur wenn diese Faktoren ausgewogen sind, wird das Unternehmen erfolgreich und enkeltauglich sein.

Sie legen den Fokus auf die Beratung von Familienunternehmen. Wie würden Sie deren Besonderheiten beschreiben?

Die Corona-Krise hat bewiesen, wie innovativ Unternehmen sein können. Diese Innovation wünschen wir uns für Deutschland zurück. Digitale Souveränität erfordert eine gewisse Bereitschaft der Organisationsform. Familienunternehmen bieten mit ihren Stärken hinsichtlich Innovation, Führung und Entscheidungsbereitschaft optimale Voraussetzungen. Sie besitzen eine starke Wertekultur. Da geht es um Qualität, Flexibilität und um die Verantwortung der Familie, aber auch den Mitarbeitern und deren Familien gegenüber, das Unternehmen gut oder sogar besser weiterzugeben. Diese wertegetriebene Kontinuität ist anders als ein profitgetriebenes Quartalsdenken von börsennotierten Unternehmen. Familienunternehmen denken in längeren Zeiträumen, über Generationen hinweg und sind schneller und ressourcenorientierter. Es gibt eine andere Art des Miteinanders, eine eigene DNA, ein starkes Vertrauen in die Mitarbeiter und von den Mitarbeitern in das Unternehmen. Die Wertekultur, diese Kraft, die Mitarbeiter mitzunehmen, das ist ein unglaublicher Wert.

Warum ist die digitale Souveränität für Familienunternehmen so wichtig?

Familienunternehmen wachsen in Generationen: In der Regel hatte der Gründer eine zündende Idee, die über die nächsten Generationen entwickelt oder verwaltet wird. Einige Unternehmen neigen dazu, sich auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen oder haben keine klare Familienstrategie bzw. Nachfolgeregelung. Zudem ist die Sicht auf das eigene Geschäftsmodell anders als in Organisationen, die mit externen Kompetenzen geleitet werden. Sie müssen erst einmal die Notwendigkeit der Digitalisierung erkennen. Innovation wird von unterschiedlichen Perspektiven getrieben. Deshalb benötigen Familienunternehmen verstärkt eine externe Sicht auf ihr Unternehmen. Außerdem ist das Thema Digitalisierung so komplex, das kann nicht wie früher ein Patriarch allein lösen. Das erfordert kollektive Intelligenz im Unternehmen und externer Partner. Und je diverser die Mitarbeiter- und Führungsstruktur, desto innovativer und erfolgreicher wird es sein.

Welche Digitalisierungsthemen beschäftigen den Mittelstand am meisten?

Man kann es nicht an technischen Themen festmachen. In der Regel sind die Unternehmen in der Prozess-Optimierung verhaftet. Die Dinge, die wirklich notwendig wären, werden nicht getan. In manchen Bereichen werden Innovationen gefördert, diese bleiben aber Insellösungen und die Fragen nach Abhängigkeiten oder auf welchen Teil der Strategie sie einzahlen, bleiben ungeklärt.

Einige beschäftigen sich mit der Innovation von Produkten und Dienstleitungen, aber bei den Geschäftsmodellen ist noch viel Nachholbedarf. Die richtige Verbindung zu neuen Geschäftsmodellen, zu Innovationen, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, andere Märkte zu betrachten, Plattformgedanken mit ins Spiel zu bringen – davon sind viele noch weit entfernt.

Wie gehen Sie an ein Transformationsprojekt heran?

Mit einer sehr methodischen Analyse untersuchen wir die Dimensionen: Strategie, Prozesse & Effizienz, Innovationen & neue Geschäftsmodelle, Menschen & Kulturen, Partner & Außendarstellung und ermitteln den digitalen Reifegrad. Die Herausforderungen und Handlungsfelder analysieren wir dann in einer pragmatischen Tiefenanalyse und kreieren daraus gemeinsam ein klares Bild für die Zukunft. Wir haben anschließend einen klaren Plan, eine digitale Roadmap, was wir über die nächsten Jahre erreichen wollen. Von der Strategie, die regelmäßig überprüft wird, werden Projekte und Maßnahmen abgeleitet und getrackt. Dabei unterstützt uns Solyp 4.0 mit verschiedenen Kennzahlen, KPIs, Umfragen, Feedbacks etc., sorgt für ein ganzheitliches Monitoring zu allen Themen und macht die Transformation steuerbar. Transparenz ist in diesem Fall alternativlos: Abhängigkeiten aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, was in welchen Part der Strategie einzahlt. Es ist ein ständiges Verfolgen von definierten Schritten, die am Ende des Tages zur digitalen Souveränität führen.

Man muss viel Engagement mitbringen und erfahrene Leute vor Ort haben, um Kulturen, Mindsets, jahrelange Arbeitsweisen zu verändern und fehlende Skills in die Organisation zu bringen. Das dauert oft Jahre. Wir bringen im Verlauf der Projekte führende Experten unserer Kooperationspartner für das jeweilige Thema zum richtigen Zeitpunkt ins Spiel.

Also sind erfolgreiche Transformationsprojekte Kooperations- und Kollaborationsprojekte?

Wir sehen Kooperation und Kommunikation als Teil unseres Geschäftsmodells und als eine Stärke. Das Thema der digitalen Veränderung ist so komplex, dass man es nur in Zusammenarbeit mit Experten und dem Einsatz innovativer Software bewältigen kann. Es sind meist mehrere Akteure an einem Projekt beteiligt: Mitarbeiter, Führungskräfte, Beratungsunternehmen, Dienstleister etc. Das funktioniert nur, wenn alle an transparenten Maßnahmen, mit derselben Information und Sicht auf die Dinge arbeiten. Wenn Sie heute wie wir viele Kunden oder Kundenprojekte orchestrieren und nicht auf Knopfdruck wissen, ob alles nach Plan läuft oder nicht, dann riskieren Sie gesetzte Ziele und notwendige Kontrolle.

Ohne Solyp 4.0 wäre es nicht möglich, in unserem Geschäftsmodell so skalierbar, flexibel und planbar unterwegs zu sein. Dabei greifen wir nicht auf bestehende Module der Software zurück, sondern entwickeln sie den Kundenanforderungen nach. Das macht Solyp und die Zusammenarbeit mit Evolutionizer so einzigartig für uns: Sie verstehen, was wir für unsere Kunden brauchen, entwickeln und liefern.

Nicht nur die Orchestrierung ist für den Kunden ein Mehrwert. Wir vereinen in den Kundenprojekten oft Silos und lösen Altlasten ab. Jeder hat irgendein BI-Tool, ein Projektmanagementtool, eine schlechte Kollaborationslösung und wir konzentrieren alles bestmöglich auf der Plattform. Die Kunden sind damit deutlich schneller, agiler und durch die Daten und Fakten klarer in ihrer Entscheidungsfindung.

Was sind die größten Herausforderungen bei digitalen Transformationen von Familienunternehmen?

Die Kombination aus Prozess, Produkt & Dienstleistung, aber auch radikaler Geschäftsmodellinnovation, erfordert Mut. Eine Herausforderung ist die Risikoaversion im Hinblick auf betriebswirtschaftliche Kennziffern – also Investitionen. Der kann man strukturiert begegnen, in dem man in kleinen iterativen Schritten vorgeht.
Unsere Erfahrung zeigt: Je mutiger das Unternehmen vorgeht, desto größer die Erfolge.

Technologie ist nicht die Herausforderung. Die Herausforderung ist der Mensch, die Organisation und die innovationsfreundliche Unternehmenskultur – offen, wertschätzend, vertrauensvoll. Diese Wechselwirkung funktioniert nur mit guter Kommunikation und guter Führung. Innovationsführerschaft bedeutet Innovation in der Führung: In der Umgebung von gestern kann ich nicht auf Gedanken von morgen kommen. Das Mindset muss geändert werden.

Und es gehört eine Methodik dazu, wie ich Innovation fördere: Man innoviert heute anders, in kleineren Schritten, in enger Abstimmung mit Kunden. Das ist etwas, was dem Mittelstand fehlt. Kollaboration, da wird eher in Abteilungen und Silos gedacht.

Was sind die Pluspunkte?

Familiengeführte Unternehmen sind im Vergleich zu nicht familiengeführten Unternehmen schneller, wenn sie die Entscheidung getroffen haben. Wenn der Weg einmal eingeschlagen wurde, dann geht es sehr schnell, sehr effizient und ressourcenorientiert. Das liegt zum einen an der Hierarchieebene und am Vertrauensbonus den Mitarbeitern gegenüber – aber auch umgekehrt. Wenn die Mitarbeiter nicht intrinsisch motiviert sind, dann fällt es extrem schwer, sich zu verändern. Wenn es uns gelingt, die Unternehmen mit ihren starken Werten dahinzuführen, dass sie allein innovativ sein können, weil sie die Organisation entwickelt haben und die Technologie nutzen, um Innovationsführer zu sein – dann haben wir unser Ziel erreicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über die AYB | About Your Business GmbH:
Der Name ist Programm: Bei den Change Architekten von AYB dreht sich alles um Familienunternehmen und wie sie mit digitaler Souveränität die Zukunft weiterer Generationen sichern. Mehr erfahren

Katrin Schwarz verfügt über 20 Jahre Erfahrung in Managementpositionen mittelständischer Firmen und exzellente analytische Expertise. Ihre Erfahrungen aus dem Mittelstand und die Wirksamkeit der „neuen“ Welt, überzeugen sie das Beste zu kombinieren. Sie ist eine Kommunikationsliebhaberin, Netzwerkerin und ständig bestrebt Dinge zu verbessern.

Oliver Stiefenhofer ist seit über 20 Jahre auf die Beratung von Mittelstandsunternehmen spezialisiert. Er kennt die Schmerzpunkte von Familienunternehmen, deren Herausforderungen sowie die Anforderungen deren Stakeholder. Er hat die Leidenschaft für sich entdeckt, seinen Kunden die Ängste zu nehmen, sich neuen Technologien zuzuwenden und Veränderungen im Zuge der Digitalisierung ganzheitlich zu sehen und mitzugestalten.

Unsere Mission bei Evolutionizer ist es, das strategische Management in Unternehmen durch innovative Software zu unterstützen.

Erfahren Sie mehr über unsere Plattform Solyp  – Enterprise Cloud for Strategy und wie unsere Technologie Sie im strategischen Entscheidungsprozess und der Umsetzung unterstützen kann.

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