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February 2016
4 Minuten

Tipps zur Entwicklung von Key Risk Indicators

KRIs sind Frühwarnindikatoren, die eine Veränderung im Risikoprofil des Unternehmens signalisieren. (Bild: FlashMovie/shutterstock.com)

Key Performance Indicators (KPIs) kennen und nutzen die meisten Unternehmen. Bei den Key Risk Indicators (KRIs) sieht es dagegen schon etwas anders aus. KRIs sind Frühwarnindikatoren, die eine Veränderung im Risikoprofil des Unternehmens signalisieren. Sie ermöglichen der Unternehmensführung und dem Management, latente Risiken im internen und externen Unternehmensumfeld, die die Erreichung der strategischen und operativen Unternehmensziele gefährden könnten, frühzeitig zu identifizieren und mit der Ergreifung geeigneter Maßnahmen aktiv gegenzusteuern. KRI-Systeme sind ein wichtiges Element eines effektiven strategischen Risikomanagementprozesses. Dennoch werden sie von vielen Unternehmen nicht oder nur in unzureichendem Maß genutzt. Was gilt es also bei der Entwicklung von KRI-Systemen zu beachten?

Formaler Prozess eingebettet in Strategieentwicklung und -umsetzung

Die Formulierung und Überwachung von KRIs sollte integraler Bestandteil des strategischen Planungsprozesses sein. Im Rahmen der Strategieentwicklung sollten zunächst für jedes Unternehmensziel die jeweiligen Risiken im internen und externen Unternehmensumfeld identifiziert, analysiert, kategorisiert und entsprechend ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihres Impacts priorisiert werden. In strategischer Hinsicht gibt es grundsätzlich drei Arten von Risiken, die eine erfolgreiche Strategieumsetzung gefährden können: Nachfragerisiken, Wettbewerbsrisiken und Risiken betreffend der Fähigkeiten des Unternehmens. Um diese Risiken ausmachen und richtig einschätzen zu können, bedarf es der Nutzung vielfältiger Informationsquellen und Expertenwissen innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Anschließend gilt es, für die größten Risiken diejenigen KRIs zu identifizieren und definieren, die diese am besten beschreiben und messen (Relevanz). Dabei sollte man sich auf ein bis drei KRIs pro Risiko beschränken. Zudem müssen für die KRIs angemessene Grenzwerte festgelegt werden. Wo diese konkret liegen, hängt von der jeweiligen Risikoneigung des Unternehmens ab. Aufgrund der großen Bedeutung der KRIs für die Erreichung der Unternehmensziele sollte die Entscheidung darüber auf oberster Managementebene getroffen werden.

Im Rahmen der Strategieumsetzung sollten die gewählten KRIs schließlich einem fortlaufenden Monitoring und Controlling unterzogen werden. Hierzu eignen sich Dashboards, die die wichtigsten Informationen übersichtlich grafisch darstellen (s.h. Abb. 1), besonders gut. Auch ist es ratsam, für jedes Risiko einen Verantwortlichen zu benennen, der das Monitoring übernimmt und bei Veränderungen das höhere Management informiert. Die Informationswege sollten ebenfalls genau festgelegt werden. Der Risikoverantwortliche kann sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisation sein und sollte über besondere Fachkenntnisse in dem jeweiligen Risikobereich verfügen.

Werden die gesetzten Grenzwerte überschritten, besteht Handlungsbedarf. Mögliche strategische Reaktionen zu einer erhöhten Risikolage sind die Anpassung oder gar das Aufgeben der Unternehmensstrategie, das Ergreifen von Maßnahmen zur Risikomitigierung, explizite Gegenmaßnahmen oder das Runterschrauben der Erwartungen an die veränderte Lage. Zu guter Letzt sollten die KRIs regelmäßig auf ihre Relevanz und Aktualität hin überprüft werden. Gegebenenfalls sollten neue KRIs hinzufügt und alte KRIs neu definiert oder entfernt werden.

Merkmale effektiver KRIs

Neben der Relevanz gibt es eine Reihe anderer Aspekte, die bei der Auswahl von KRIs berücksichtigt werden sollten. KRIs sollten quantifizierbar, verifizierbar und leicht und effizient messbar sein. Das heißt allerdings nicht, dass sie rein objektiv sein müssen. Bei KRIs kann es sich durchaus auch um subjektive Einschätzung handeln, die ja gerade bei der Identifizierung von Veränderungen im Unternehmensumfeld hilfreich sind. Voraussetzung ist allerdings, dass sie sich in metrischer Form ausdrücken und unabhängig überprüfen lassen. Ein gutes Beispiel für einen qualitativen KRI wäre eine negative Berichterstattung in den Medien, die ein Reputations- und damit potenzielles Nachfragerisiko für ein Unternehmen darstellen kann. Hier lassen sich Variablen wie die Qualität und Seriosität der Nachrichtenquellen, die Frequenz und das Timing der Berichterstattung sowie der Schweregrad des Inhalts der Berichterstattung mittels Skalen bewerten (z. B. niedrig, mittel, hoch), messen und zu einem aussagekräftigen Risikowert aggregieren.  

Darüber hinaus sollte bei der Auswahl von KRIs auf eine gute Mischung aus Früh- und Spätindikatoren geachtet werden. Frühindikatoren helfen, zukünftige Ereignisse und Risiken vorherzusagen, bevor sie eintreten, und ermöglichen dadurch ein proaktives Risikomanagement. Hierzu müssen die jeweiligen Risikotreiber identifiziert werden, die die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Auswirkungsmaß des Risikos auf das Unternehmen beeinflussen. Beispielsweise wäre eine steigende Zahl an jungen Erwachsenen in westlichen Industrienationen, die keinen Führerschein mehr machen, ein Frühwarnsignal für eine künftig rückläufige Nachfrage nach Autos in diesen Märkten. Spätindikatoren dagegen beruhen auf historischen Trenddaten. Sie eignen sich daher gut für rückschauende Analysen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, ein robustes, IT-gestütztes KRIs-System hilft Unternehmen, zukünftige Chancen und Risiken zu antizipieren und proaktiv zu managen. Dadurch erhöhen sie ihre Agilität ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, ihre gesteckten strategischen Ziele tatsächlich zu erreichen.

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